Geschichte

Vorwerk zur Feste Otzberg

Erst seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts gibt es in Habitzheim das Hofgut als landwirtschaftlichen Betrieb. Es ist jedoch den alten Gemäuern unschwer anzusehen, dass sie aus sehr viel älteren Zeiten stammen.

Schon im 12. Jahrhundert ist an dieser Stelle eine Burg erwähnt, die als Vorwerk zur Veste Otzberg ebenso wie diese dem Kloster Fulda gehörte. Mehrere Adelsgeschlechter waren im Mittelalter Lehensnehmer der Fuldaer Äbte. Dazu zählten neben den Bickenbachern, die heute ausgestorben sind, auch die Grafen von Erbach und die Grafen von Wertheim sowie der Pfälzer Kurfürst. So teilten sich verschiedene Eigentümer die Herrschaft über Habitzheim. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als die Grafen zu Löwenstein alle Anteile erwarben, kam Habitzheim in eine Hand. Zu dieser Herrschaft gehörten neben Habitzheim selbst die Orte Spachbrücken, Zeilhard, Georgenhausen und Groß-Zimmern (siehe gelb umrandetes Gebiet „Grafschaft Löwenstein“ auf der Karte).

Feste-Otzberg
Herrschaft

Wechselnde HerrschaftStorch-4

Nur zu Beginn des 16. Jahrhunderts residierten die Grafen selbst in Habitzheim. Ab dann wurde die Burg von einem Amtmann bewohnt, dessen Aufgabe die Verwaltung der Herrschaft war. Zweimal im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde den Löwensteinern die Herrschaft infolge kriegerischer Ereignisse von den Landgrafen von Hessen kurzfristig abgenommen.

Hofplan

Umbauten über die Jahrhunderte

Über die Jahrhunderte wurde die Burganlage oft verändert, umgebaut und neu gestaltet sowie erweitert. Schließlich präsentierte sie sich als eine Wasserburg auf dem heute noch erkennbaren Grundriss. Das heutige Gutshaus mit dem gegenüberliegenden Gebäude bildete die Haupt- oder Wohnburg, während das große Viereck der heutigen Wirtschaftsgebäude aus Stallungen und Scheuern bestand (Vorburg). Rund herum war diese Anlage von einem Graben umgeben, der aus dem Wasser des Hasselbaches gespeist wurde. Hauptburg und Vorburg wurden zeitweise von einem Wassergraben, der mit einer Zugbrücke überspannt war, getrennt.

Lediglich das Gebäude gegenüber dem Wohnhaus mit den grünen Fensterläden, hat all diese Zeit vergleichsweise unverändert überstanden. Es stammt, so wie es sich heute zeigt, aus der Zeit um das Jahr 1500. Dies ist besonders an den rückwärtigen Fensterstöcken zu erkennen. Es wird seit langem als „die Kirche“ oder „Kapellenbau“ bezeichnet, obwohl es ursprünglich ein Wohngebäude war. Dies rührt daher, dass nach dem 30-jährigen Krieg die Bevölkerung Habitzheims bis auf wenige Familien durch die Folgen von Krieg und Pest nahezu ausgerottet war. Damals wurden aus den Niederlanden, die zu diesem Zeitpunkt unter spanischer Herrschaft und deshalb katholisch waren, Siedler nach Habitzheim gerufen. Diese keine eigene Kirche, da die örtliche Bevölkerung reformiert war. Deshalb wurde das Erdgeschoß des Gebäudes als Kirchenraum umgebaut, die Einrichtung der heutigen katholischen Kirche stammt daraus. Erst, als 1850 die Wasserburg in eine Hofanlage umgebaut wurde, wurde die heutige katholische Kirche auf einem Grundstück des Fürsten neu gebaut. Das Gebäude wurde danach nur noch als Hühnerstall und Getreidespeicher genutzt. Seit 1996 strahlt es wieder in neuem Glanz und bietet in zwei schönen Räumen, dem „Gelben Saal“ die Möglichkeit, Feste zu feiern. Das Gutshaus wurde im Jahr 1760 anstelle eines damals wegen Baufälligkeit abgerissenen Gebäudes errichtet.

Geschichte-Hofgut-Habitzheim

Vom Schloss zum Hofgut

Als im Zuge der politischen Umwandlungen zwischen 1800 und 1848 die alten Strukturen aufgelöst waren, verlor die Burg als Amtssitz ihre Funktion. Scheuern und Stallungen wurden erweitert und für die Nutzung als Gut umgebaut. Schon 1852 zog die Familie Heil, die damals aus Darmstadt kam, als Pächter ins Hofgut ein. Bis ins Jahr 1972 bewirtschafteten sie das Hofgut, das in der Bodenreform nach dem 2.Weltkrieg allerdings fast die Hälfte seiner Fläche einbüßte. Seit 1972 wird das Hofgut von der Familie Löwenstein selbst bewirtschaftet.

Die heutige Situation

In 1972 übernahm Felix Prinz zu Löwenstein mit seiner Frau Prinzessin Elisabeth zu Löwenstein das Hofgut und bewirtschaftete es wieder selber.

Seitdem haben sind Gebäude, die heute landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar sind, restauriert und umgebaut worden und haben ihre Funktion geändert. So ist aus dem einen der beiden Kuhställe ein Festsaal geworden, der für Hochzeiten und sonstige Feierlichkeiten vermietet wird. Der andere wurde zur Druckerei, die Brennerei zur Kunstschmiede und im ersten Stock zum Wohnraum, im alten Schafstall lagerten Gerüste, in einem weitern Stall entstand das Atelier des Schmieds und das Büro zur Druckerei. In der ehemaligen Schleppergarage arbeitet ein Schlosser. Immer noch dient das Hofgut aber der landwirtschaftlichen Produktion, die seit 1992 auf ökologischen Landbau nach Naturland-Richtlinien umgestellt wurde.

img_7661In 2014 übernahm die zweitälteste Tochter, Prinzessin Johanna zu Löwenstein, heute verheiratete Freifrau Heereman, mit Ihrem Mann, Robert Freiherr Heereman, den Betrieb. Das junge Paar brachte wieder ganz eigene Ideen und Pläne ein, die nun umgesetzt werden. Unter Anderem ist derzeit ein Gesundheitszentrum im Entstehen…

So bleibt erhalten, was seit Jahrhunderten Tradition hat: der stete Wandel……….

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